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Diese Seite ist in erster Linie an Studenten in Bayreuth adressiert, die einen Studienaustausch an die Gakushuin Universität in Tokio planen bzw. sich momentan schon darauf vorbereiten. D.h. natürlich nicht, dass diese Seite für andere Leser komplett uninteressant ist, da sie schließlich auch allgemeine Informationen zu einem Aufenthalt in Tokio beinhaltet. Die Seite ist in FAQ-Form aufgebaut, als Grundlage dienten die Emails der Studenten, die mich bereits zu dem Austauschprogramm befragt haben. E-Mail-Anfragen bezüglich dieses speziellen Austauschprogrammes sowie generelle Fragen zu einem Austausch nach Tokio beantworte ich natürlich immer noch. Diese Antworten werde ich dann ebenfalls in die FAQ einfügen und online stellen.


Übersicht über die Themengebiete der einzelnen Fragen:

1. Lebenshaltung

2. Finanzierung

3. Bewerbungsablauf

4. Bewerbungsformulare

5. Sprachkenntnisse

6. Wohnen in Tokio

7. Krankenversicherung

8. Flug

9. Visumsverlängerung

10. Nebenjobs

11. Beurlaubung

1. Lebenshaltung
Frage: Ich würde gerne für ein Jahr an der Gakushuin Universität studieren, habe aber gehört, dass Tokio eine sehr teure Stadt sein soll und bin mir jetzt unsicher, ob ich das Vorhaben finanzieren kann. Mit welchen Lebenshaltungskosten habe ich ungefähr zu rechnen?

Antwort: Diese Frage ist natürlich so pauschal sehr schwer zu beantworten. Einerseits habe ich nur begrenztes Wissen über die Möglichkeiten, in Tokio zu (über)leben. Zwar habe ich ein Jahr dort gelebt, dennoch ist die Stadt viel zu groß, um sagen zu können, dass man mit einem gewissen Betrag X dort auf jeden Fall über die Runden kommen kann. Andererseits kommt es natürlich auf die persönlichen Präferenzen an, wer nicht so hohe Ansprüche an Unterkunft und tägliches Essen stellt, kommt mit wesentlich weniger Geld aus als jemand, der auf ein sauberes Appartement in der Innenstadt Wert legt.

Meiner Einschätzung nach, lässt es sich mit ca. 1.400 EUR im Monat in Tokio sehr angenehm leben. 750 EUR für Miete und Nebenkosten (inkl. Telefon + Fahrkarte) sollten einem ein nicht so großes, aber sauberes Zimmer in der Nähe der Uni (ca. 20 min. mit der Bahn) sichern. Der Rest kann für Essen und Unterhaltung verwendet werden, wobei man höchstwahrscheinlich genug Spielraum für spontanes auswärts Essengehen sowie diverse Freizeitevents, wie Karaoke oder Kino usw., haben sollte.
Mit 1.100 EUR ist man immer noch weit entfernt vom Hundeleben, muss aber Abstriche bei der Wohnung machen, d.h. weiter weg oder nicht so sauber (im schlimmsten Fall beides), auch Shareappartements bieten sich hier als Lösung an. Freizeitaktivitäten müssen wahrscheinlich auf ein überschaubares Maß eingegrenzt werden und auch auswärts Essengehen ist nicht mehr ohne Nachdenken möglich. Generell wird man beim Einkauf hier eher auf Preise achten.
Mit nur 800 EUR im Monat würde ich einen Aufenthalt in Tokio als hartes Unterfangen bezeichnen. Wem es einfach nur darauf ankommt, in Tokio leben zu können, wird wahrscheinlich auch mit 800 EUR über die Runden kommen. So kann man für wenig Geld in einer nicht so saubere Wohnung, die weiter draußen liegt, zur Untermiete wohnen (schätzungsweise für 300 EUR, aber dafür mit nicht wirklich wünschenswerten Hygienestandards). Da ich längere Zeit auf Wohnungssuche war, hatte ich auch schon solche "Wohnungen" besichtigt. Als Beispiel kann man sich eine kleine Zweizimmerwohnung vorstellen, deren Wände nur aus Papier bestehen und bei der man das Zimmer des anderen durchqueren muss, um auf Toilette zu gehen.

Die Frage, ob denn in Tokio generell alles teurer sei, muss ich verneinen. Definitiv spürt man bei den Mieten den größten Preisunterschied (vor allem im Vergleich zu Bayreuth). Lebensmittel mögen auf den ersten Blick auch wesentlich teurer erscheinen als in Deutschland, allerdings kommt es da zum einen auf die Produkte und zum anderen auf den Supermarkt an, in dem man einkauft. Der Supermarkt in meiner Nähe entsprach ungefähr einem der deutschen Tegut-Kette. Natürlich ist da alles teuer, aber das ist es hier in Deutschland im Tegut auch. Auch die weit verbreiteten Convenience-Stores sind im Vergleich zu deutschen Tankstellen (die ja auch oft 24 Stunden geöffnet sind) auch nicht teurer. Wenn man besonders teure Waren wie Obst oder Käse mal unberücksichtigt lässt, ergibt sich zwar immer noch ein Preisunterschied, allerdings ist dieser nicht mehr so drastisch wie bei den Mietpreisen. Dem Preisunterschied bei den Lebensmitteln im Supermarkt steht wiederum der Preisunterschied der Essensgeschäfte gegenüber. So kann man in Tokio sehr günstig in kleinen "Schnellkücken" essen. Den Begriff "Fast Food" verwende ich absichtlich nicht, da die japanischen Schnellküchen eine ganz andere Art von Essen anbieten (Ramen, Udon, Tenpura, Gyûdon, Curry usw.), die nicht mit unserem "Fast Food" vergleichbar ist. Aber auch die amerikanischen Fast-Food-Ketten haben in Tokio zahlreich Filialen aufgeschlagen und betreiben einen sehr konsumentenfreundlichen Preiskampf, sodass Fast Food in Japan relativ billig ist. Durch diese Preisverschiebung (einfach Essengehen = billig / im Supermarkt kaufen und selbst kochen = nicht so billig) ist man natürlich schnell dazu verleitet, öfters Essen zu gehen als in Deutschland.

Die Freizeitgestaltung hingegen ist wieder teuerer. Ein Kinobesuch mit Studententicket kommt auf ca. 13 EUR, wobei die Preise der Cinestar-Kinos in Deutschland davon gar nicht so weit entfernt sind. Karaoke kostet vormittags unter der Woche (Mo. - Do.) ca. 1 EUR die Stunde (ohne Getränk, das man aber verpflichtet, ist zu kaufen) und am Wochenende nach 19h zahlt man gleich 9 EUR die Stunde. Geht es mit dem Seminar oder Helfern vom Auslandsamt in die Izakaya (jap. Kneipe), teilen sich meistens alle den Betrag, was ökonomisch nicht unbedingt sinnvoll ist. Man zahlt dort meistens für 2-3 Std. ca. 20 EUR mit Essen, hätte aber wahrscheinlich mehr davon, wenn man seinen Verzehr selbst bezahlen könnte. Das größte Problem bei der Freizeitgestaltung ist aber, dass sich mit Freunden treffen meistens heißt, in ein Cafe, eine Bar oder ein Restaurant zu gehen, was natürlich unweigerlich Geld kostet. Anders als in Deutschland trifft man sich nicht sehr oft zuhause, nur bei ganz nahestehenden Freunden ist dies möglich. Dazu trägt nicht nur der kulturelle Unterschied bei, da in Tokio die Leute an der Uni aus allen Richtungen (teilweise mit 1 - 1/2 Bahnfahrt) jeden Tag dort anreisen, ist ein Treffen zuhause auch aus logistischer Sicht gar nicht so einfach.

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2. Finanzierung
Frage: Um die Finanzierung meines Aufenthaltes besser planen zu können, wüßte ich gerne, in wie weit ich von der ausländischen Universität finanziell unterstützt werde und wie hoch die Studiengebühren dort sind. Weiterhin versuche ich Auslandsbafög zu beantragen, weiß aber nicht wie lange es dauert, bis ich mit dem Geld rechnen kann?

Antwort: Im Rahmen des Austauschprogrammes werden die Studiengebühren erlassen (dies ist allerdings in der Bewerbung anzukreuzen!). Zudem besteht die Möglichkeit, wegen der hohen Mietpreise in Tokio mit 50.000 (ca. 350 EUR) von der Gakushuin Universität unterstützt zu werden. Dafür ist aber notwendig, dass 1) keine weiteren Förderungen in Höhe von über 100.000 YEN bestehen (ca. 700 EUR), z.B. durch den DAAD. 2) Ein ordentlicher Mietvertrag mit Anschrift und Name des Vermieters vorliegt. Das kann problematisch werden, wenn man bei jemandem zur Untermiete wohnen will, da die Leute teilweise aus steuerlichen Gründen keinen Mietvertrag abschließen wollen und behaupten, dass ein Mietvertrag auf Englisch in Japan sowieso nicht einklagbar sei. Ob das juristisch stimmt, weiss ich nicht, allerdings ist der Mietvertrag für den Erhalt des Unterstützungsgeldes von der Universität wichtig.

Wie man Auslandsbafög beantragen kann wird auf der Internetseite des Bafögamtes beschrieben (siehe "Linkbar"). Außerdem kann man mit dem Bafögrechner (siehe "Linkbar") ungefähr errechnen, wieviel Bafög man in Deutschland bekommen kann und brauch dazu nur noch den Auslandsaufschlag für Japan dazurechnen. D.h. wenn man z.B. (Minus) - 35 EUR bekommen würde (also nichts) und der Auslandsaufschlag 100 EUR ist, bekäme man tatsächlich 65 EUR. Ich hatte den Antrag damals erst im Juli abgegeben, da ich ziemlich spät erfahren habe, dass ich nach Japan gehen kann. Das erste Geld wurde mir dann im Dezember überwiesen, allerdings rückwirkend für alle Monate bis einschließlich September.

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3. Bewerbungsablauf
Frage: Ich habe mich jetzt dazu entschieden, mich für das Austauschprogramm mit der Gakushuin Universität zu bewerben. Allerdings weiß ich nicht bis wann ich mich wo bewerben muß?

Antwort: Die Bewerbung erfolgt beim Auslandsamt Bayreuth. Auf deren Homepage findet sich der Anmeldeschluss, der meistens ein Jahr vor Studienbeginn liegt, also der 31.3. und der 31.10., aber diese Daten müssen immer noch einmal auf der aktuellen Homepage des Auslandsamtes überprüft werden (siehe "Linkbar"). Sollte man die Frist überschreiten, muss man nicht gleich aufgeben, sondern lieber nachfragen, ob eine Bewerbung im Nachhinein noch möglich ist. Wird man angenommen, kann man sich ein paar Monate später die Bewerbungsunterlagen der Gakushuin im Auslandsamt abholen (auch per E-Mail möglich) und muss diese dann Ende April (bei Studienbeginn 1.9.) oder Ende Oktober (bei Studienbeginn 1.3) beim Auslandsamt wieder einreichen. Für den Studienbeginn 1.9. kommt dann Ende Juni/Anfang Juli der Bescheid, ob man tatsächlich angenommen wurde oder nicht. (wann der Bescheid für eine Bewerbung für das Sommersemester kommt, weiss ich leider nicht).

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4. Bewerbungsformulare
Frage: Ich hab jetzt meine Bewerbung für die Gakushuin vor mir liegen und gleich damit verbunden ein paar Fragen. Zum einen wird da eine Empfehlung eines Professors verlangt. Bedeutet das also, dass ich irgendeinen Professor nach einer Empfehlung fragen muss? Zum anderen wird auch ein "Certificate of Health" benötigt. Ist das der Zettel, der bei der Bewerbung dabei liegt und muss ich den von einem Arzt ausfüllen lassen? Reichen als Nachweis für meine "Sprachausbildung" die Scheine oder brauch ich von meiner Japanischlehrerin nochmals eine extra Bescheinigung? Weiterhin weiß ich nicht, wie ich den Studienplan erstellen soll, im Internet stehen so viel Kurse und das Vorlesungsverzeichnis ist nicht auf Englisch. Der Studienplan selbst muss auch noch in Japanisch geschrieben werden. Wie hast du es damals gemacht?

Antwort: Bei der Empfehlung handelt es sich um ein Empfehlungsschreiben eines Professors in Bayreuth, das auf Englisch geschrieben sein sollte. In den Unterlagen zur Bewerbung wird ein Schreiben eines "Dekans" bzw. eines "senior member of staff" gefordert, wobei mir gesagt wurde, dass bei Partneruniversitäten auch ein Empfehlungsschreiben eines "normalen" Professors akzeptiert wird.

Das "Certificate of Health" ist in den Bewerbungsunterlagen enthalten und muss tatsächlich von einem Arzt ausgefüllt werden. Eine Überweisung zu einer Röntgenklinik ist wahrscheinlich unausweichlich genauso wie eine Urinprobe und ein Tuberkulintest.

Als Nachweis für die "Sprachausbildung" reichen die eizelnen Scheine aus den Sprachkursen nicht. Es wird ein schriftliches Zeugnis von einer eurer Lehrerinen benötigt.

Das Aufstellen des Studienplans ist der schwierigste und langwierigste Teil der Bewerbung. Am besten ist es natürlich, wenn man einen japanischen Muttersprachler zur Seite hat, der einem hilft. Leider gibt es in Bayreuth nicht so viele japanische Muttersprachler, weshalb sich die meisten Bewerber selbst helfen müssen. Dazu benutzt man am besten eines der Online-Wörterbücher (z.B. Wadoku.de siehe "Linkbar") und begibt sich auf die Seite des Vorlesungsverzeichnisses der Gakushuin (siehe "Linkbar"). Es gibt auch eine "Kanji Reader"-Seite, bei der man das Vorlesungsverzeichnisses öffnet und dann alle Kanjis und deren Lesungen in der deutschen Übersetzung angezeigt bekommt, wenn man mit dem Mauszeiger darüber geht. Jetzt sucht man sich sein Fachgebiet heraus und übersetzt dann die Namen der einzelnen Vorlesungen. Da es sich meist um Komposita handelt, kann man die Vorlesungsnamen ziemlich schnell den Vorlesungen in Bayreuth zuordnen (jedenfalls war das für VWL so). Dann muss man nur noch überlegen, welche Vorlesungen man besuchen möchte und formuliert den Studienplan erstmal auf Deutsch vor. Wer bereits einigermaßen Japanisch kann, übersetzt es auf Japanisch und lässt vielleicht noch mal einen Muttersprachler drüber schauen. Für diejenigen, die sich das nicht zutrauen und auch keine finden, der ihnen den Studienplan schnell schreibt, gibt es die einfache aber kostenpflichtige Möglichkeit, das ganze einem Übersetzungsbüro zugeben, was für eine DIN A4 Seite nicht mehr als 30 EUR nehmen sollte. Das ist nicht schlimm, da der durchschnittliche Bayreuther Student nach zwei Jahren so etwas nicht unbedingt können muss, es in Bayreuth auch keinen Japanologie-Studiengang gibt und die meisten die von Bayreuth zur Gakushuin gehen dort erst flüssig Japanisch sprechen und schreiben lernen.

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5. Sprachkenntnisse
Frage: Ich habe Bedenken wegen meiner Sprachkenntnisse, da mein Japanisch nicht so gut ist. Ich hatte zwar Englisch in der Schule, allerdings habe ich nie wirklich viel dafür gelernt und ich war auch noch nie im englischsprachigen Ausland. Daher interessiert mich, wie viel Japanisch ich können sollte und inwiefern einem Englisch in Japan weiterhilft.

Antwort: Es gibt keine Anforderungen, ein gewisses Maß an Japanisch zu sprechen. Zwar gibt es einen Einstufungstest, aber wer den mit null Punkten ablegt kommt in den Anfängerkurs, der an der Gakushuin allerdings auf ziemlich hohem Niveau abläuft. Seinerzeit hatte ich da sehr wenig verstanden und die Lehrerin hat auch nur gelegentlich etwas in Englisch erklärt. Wer mit dem "Nichtsverstehen" ein Problem hat, sollte vielleicht warten bis er besser Japanisch spricht, aber bis jetzt ist mir nicht bekannt, dass ein Student wegen mangelnder Japanischkenntnisse wieder heimgeschickt wurde. Im Auslandsamt an der Uni kann man alles auf Englisch regeln, und es wäre gut wenn man wenigstens das Gesagte verstehen kann. Ich konnte relativ gut Englisch, hatte aber außer an der Universität wenig Gelegenheit, es zu benutzen, da die ganzen Behörden- und Bankenangestellten kein Englisch sprechen oder sich jedenfalls nicht größer auf englische Diskussionen einlassen. Es ist also eine Einstellungssache mit wieviel Sprachkenntnissen man sich ins Ausland traut. Mein ehemaliger Mitbewohner z.B. war Kanadier und hat ohne Japanischkenntnisse bereits vier Jahre in Japan gelebt.

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6. Wohnen in Tokio
Frage: In der Bewerbung habe ich bezüglich der Unterkunft drei verschiedene Möglichkeiten (das Mädchenwohnheim mal ausgenommen), das Männerwohnheim „Wakeijuku“, ein zugeteiltes Appartement im „Azalea House“ bzw. dem „Foyer Musset“ oder selbst ein Appartement suchen. Kannst du mir ein paar nähere Informationen zu den einzelnen Optionen geben?

Ich habe mich damals erst für Option 1) entschieden - das Männerwohnheim - da ich auch in Bayreuth bis zu dieser Zeit nur im Studentenwohnheim gewohnt hatte und ich mit dem Leben dort soweit gut zurechtkam. Nach sechs Monaten habe ich mich allerdings dazu entschlossen, auszuziehen, da ich a) finanziell nicht mehr so an das Wohnheim gebunden war wie vorher, b) auch meine persönliche Gründe hatte, die die dortigen Lebensumstände betrafen und ich c) somit noch eine weitere Seite von Tokio kennenlernen konnte. Die Gründe a) und c) mögen sicherlich einleuchtend erscheinen, Punkt b) will ich allerdings ein weniger näher erläutern, indem ich kurz meine damalige Situation im Wohnheim beschreibe.

Vorausgeschickt sei, dass das Wohnheim in vier Gebäude aufgeteilt ist (Nord, Sued, Ost, West). In jedem Gebäude gibt es einen eigenen "Wohnheimschef/präsidenten" und einen eigenen Hausmeister. Ein Wechsel zwischen zwei Gebäuden (z.B. von Nord nach Süd) ist nicht möglich, d.h. es entstehen vier unterschiedliche Communitys, die sich wiederum aus kleinen Untergruppen auf den einzelnen Fluren zusammensetzen. Je nachdem, wie die Zimmernachbarn sind, kann das Leben da ganz nett sein oder nicht. Wenn der persönliche "Senpai" zum besten Freund wird, kann einem fürs Japanisch eigentlich nichts Besseres passieren, ist er ein nicht so netter Mensch denkt man schneller an Ausziehen als einem lieb ist. Weiterhin wurde nach meinem Auszug ein besonderes Wohnheim (also ein fünftes Gebäude) gebaut - nur für Ausländer. D.h. 1) Es werden mittlerweile mehr Ausländer dort leben als zu meiner Zeit. 2) Der Kontakt zu den Japanern ist vielleicht nicht mehr so "direkt" wie vorher. Ich habe leider keinen Bekannten mehr im Wohnheim, weshalb ich nicht sagen kann, wie die Lage jetzt ist.

Prinzipiell gilt aber: „Normale“ Japaner wohnen nicht im Wohnheim, sondern alleine (das mag zwar nach einer stark verallgemeinerten Aussage für den angehenden Austauschstudenten klingen, ist aber genau das, was mir von vielen meiner Freunde und Bekannten gesagt wurde). D.h. die Japaner, die da wohnen, sind "besonders". In wie weit besonders? - Ungefähr vergleichbar mit deutschen Studenten, die in einem Verbindungshaus wohnen (allerdings habe ich noch nie in einem Verbindungshaus gewohnt - kenne aber Leute, die das tun). Generell denke ich, wenn man in einer Verbindung aktiv ist oder wenn man prinzipiell mit der Organisation innerhalb einer Verbindung zurecht kommt, dann wird einem das Wohnheim nicht so viele Probleme bereiten. Ich persönlich stehe Studentenverbindungen etwas distanziert gegenüber, weshalb ich in dem Wohnheim nicht so gut untergebracht war. Aber kurz ein paar Fakten in der Übersicht:

Nachteile:

· Es herrscht Grußzwang: D.h. allen Mitbewohnern, die man innerhalb des Wohnheimsgeländes trifft sollte man mit "Konnichiha" grüßen, wenn man sie siehst und mit "Shitsurei shimasu" verabschieden, wenn man geht. Läuft man an jemandem vorbei, solltest man möglichst beides sagen.

· Besuch muss um 23h gehen. 

· Man darf sich das zugeteilte Zimmer (+ Nachbarn) nicht aussuchen und auch im Nachhinein muss ein Wechsel sehr gut begründet werden.

· Die Privatsphäre ist sehr eingeschränkt. Schließt man das Zimmer nicht ab, kann es vorkommen, dass nach dem Anklopfen ohne zu zögern eingetreten wird.

· An Gruppenaktivitäten sollte man teilnehmen, natürlich kann man einfach "fliehen", d.h. sich nicht im Wohnheim aufhalten, aber man wird davor ständig angesprochen, ob man wirklich kommt und falls man nicht da war bekommt man danach zuhören, wie wichtig die Gruppe ist. Sollte man sich in seinem Zimmer aufhalten während eine "Aktivität" stattfindet, ist es echt problematisch denen klar zu machen, dass man da nicht mitmachen will.

· Es gibt ein gemeinsames Badehaus in der Mitte der vier Gebäude, d.h. Gemeinschaftsbaden ist angesagt. Die Toiletten sind auf den Fluren, d.h. ca. 16 Mann auf 3 Klo und drei Pissoirs.

· Zwei mal im Jahr Herbst und Frühling geht es richtig heiß her. Im Herbst ist das Sportfest und im Frühjahr kommen die "Neuen", weshalb es zu diesen Zeiten sehr viele Wohnheimsaktivitäten gibt.

· Der Preis ist mit 535 EUR Miete/Essen  + 21 EUR Internet  + 7 EUR "Vereinsgeld" nicht wirklich billig.

· Essen: Morgens nur jeden zweiten Tag oder seltener Toastbrot ansonsten: Reis plus mir unbekannte Beilagen, die mir persönlich morgens nicht so geschmeckt haben. Zudem: Frühstück ist von 7:30 - 9:00, wenn man ausschlafen will ist das nicht so praktisch. Abendessen: Manchmal essbar bis ganz lecker - aber auch öfters nicht so lecker.

Vorteile:

· Nach den beiden Terminen (Herbst/Frühling) klingen die Aktivitäten auf ein erträgliches Maß ab.  (Allerdings werden die Jungs in den Semesterferien wieder aktiver - dann darf man Interviews machen, es wird an eine strengere Einhaltung der Regeln appelliert etc.)

· Man ist ständig unter Japanern (seinerzeit ca. 90%) und hat dementsprechend immer Gelegenheit, Japanisch zu sprechen.

· Man hat die Möglichkeit an Sport und anderen Kursen teilzunehmen (allerdings geht das an der Uni auch).

· Anders als im Prospekt angekündigt gibt es keine Ausgangssperre.

· Mit dem Fahrrad 10 min. zur Uni, zu Fuß 20 min. (Bei der Uni ist auch der Bahnhof). 30 min zu Fuß liegt Ikebukuro (großer Stadtteil von Tokio), was ziemlich genial ist, da man wirklich mitten in der Stadt wohnt (im Vergleich dazu, wo die meisten der japanischen Studenten wohnen  - ca. 1 Stunde mit Bahn weg).

· Das Badehaus ist, wenn man sich daran gewöhnt hat, ganz angenehm. Gebäude Ost hat auch eigene Duschen, da es sehr neu ist und weiter weg vom Badehaus liegt.

· Kulturell kann man Japan besser kennenlernen als manche Japaner. Meine japanischen Freunde an der Uni konnten meine Wohnheimgeschichten kaum glauben. Kommt natürlich auch drauf an, was man unter Kultur versteht, weil normal ist das Wohnheim nicht.

Man sieht, in meiner Darstellung überwiegen die Nachteile. Allerdings ist es, wie bereits gesagt, stark abhängig davon, in welches Gebäude man kommt, wie die Nachbarn sind und wie die eigene Einstellung zu diesem Lebensstil ist. Die offiziellen Events laufen jedoch fast für alle gleich - und da machen die meisten mit, egal ob sie Lust haben oder nicht.

Preislich ist das Wohnheim teuer und billig zugleich. Teuer, weil ein Appartement auch nicht viel mehr kostet. Aber in einem „Share Apartment“ (WG nur ohne persönliche Komponente) muss man halt noch alles extra bezahlen: Wasser, Strom, Gas + Bahnticket. Die Share Apartments sind extra für Ausländer, die nicht so lang bleiben, d.h. es gibt nur eine Kaution in Höhe einer Monatsmiete (normal ist Kaution mit 1 Monatsmiete + Höfflichkeitsgeld mit 2 Monatsmieten. Billig ist das Wohnheim, weil das Essen dabei ist. Und wenn man wirklich immer morgens und abends da essen würde, dann würde die Rechnung ja vielleicht aufgehen. Aber ich habe da nie das Frühstück gegessen und abends hab ich auch öfter auf das Essen verzichtet, weil entweder war ich da und es war nicht so lecker, so dass ich noch was essen musste oder ich war außerhalb und konnte nicht mitessen. Als ich dann das Auslandsbafög im Dezember bekam hat es für einen Umzug gereicht. Ich musste sehr lange suchen bis ich ein für mich annehmbares Share Apartment gefunden hatte, da ich sehr pingelig in Punkto Sauberkeit bin. (Das muss ich dem Ost Gebäude zugute halten, da es sehr sauber war - die anderen Gebäude waren allerdings älter).

Mit dem Share Apartment war ich schließlich sehr zufrieden. Die Zeit im Wohnheim war sicherlich nicht so schön, allerdings ein Bündel an Erfahrungen, das ich so schnell nicht mehr haben werde. Zur Option 2) – Unterbringung im Azalea House oder dem „Foyer Musset“ – kann ich nicht so viel sagen. Ich habe mir beide Orte auf meiner endlos langen Wohnungssuche durch Tokio angeschaut. Da ich dort allerdings nicht selbst gewohnt habe, traue ich mir nicht zu, die Lage wirklich angemessen zu beschreiben. Ich kenne ein paar Studenten, die bereits im Azalea House gewohnt haben, vielleicht kann ich sie dazu bringen hier auch ein paar Informationen bereitzustellen. Anfragen bezüglich der Situation im Azalea House leite ich auch gerne weiter, E-Mail-Adressen der Studenten kann ich allerdings nicht rausgeben.

Leider habe ich bei einem Computerabsturz alle meine unzähligen Links, die ich für die Wohnungssuche gesammelt hatte, verloren. Daher hab ich nur eine Maklerseite die Appartements für Ausländer vermittelt, die Homepage des Wohnheims „Wakeijuku“ und die Seiten des Vermieters, der das Azalea House und das Foyer Musset anbietet, verlinkt (siehe "Linkbar").

Fazit: Durch die unterschiedlichen Präferenzen ist es schwer, eine Empfehlung bezüglich der Wohnungswahl auszusprechen. Auch wenn mir persönlich das Wohnheim nicht so gefallen hat, heisst das nicht, dass es anderen auch so ergeht. Immerhin wohnten dort noch andere (westliche) Ausländer und deren Meinungen waren auch geteilt. Manche sind wie ich ausgezogen. Andere hingegen hat das Wohnheim nicht gestört, sie hatten teilweise Nachbarn, denen es egal war, ob sie bei offiziellen Events mitmachen, teilweise haben sie sich auch einfach nicht von den Aufforderungen ihrer Zimmernachbarn beirren lassen und haben diese einfach ignoriert. Dann gab es wiederum Ausländer, die von der Gruppenmentalität des Wohnheims sehr begeistert waren und die dementsprechend auch voll integriert wurden. Vielleicht helfen meine Beschreibungen dabei herauszufinden, ob das Wohnheim zu einem passt oder nicht. Und wer sich ganz unsicher sein sollte, hat immer noch die Möglichkeit, im Nachhinein auszuziehen, was - bis auf den Umstand des Wohnungswechsels - kein Problem ist.

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7. Krankenversicherung
Frage: Wie hast du dich für den Aufenthalt krankenversichert?

Antwort: Ich hatte mich nach längerem Informieren für die Studenten-Reiseversicherung bei der ISIS entschieden (siehe "Linkbar"). Damals hatten die dort ein sehr umfangreiches Angebot für einen akzeptablen Preis, da das aber auch schon fast drei Jahre her ist sollten die Preise noch einmal mit denen der Konkurrenz verglichen werden. Weiterhin ist positiv zu bemerken, dass ich die Versicherung sehr kurzfristig um zwei Monate verlängern konnte und dabei sehr freundlichen von den Mitarbeitern im Callcenter unterstützt wurde.

Aktuell scheint auch die Auslandsversicherung der Würzburger ein gutes Angebot zu haben (siehe "Linkbar"), in der FINANZtest hat sie angeblich mit "sehr gut" abgeschnitten.

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8. Flug
Frage: Ich habe nach Flügen nach Japan gesucht und musste feststellen, dass diese sehr teuer sind. Kannst du ein Reisebüro bzw. einen Anbieter im Internet empfehlen.

Antwort: In Bayreuth habe ich bis jetzt im Reisebüro an der Uni "Check-in" (siehe "Linkbar") immer relativ billige Flüge bekommen. Auch meine japanischen Bekannten waren mit dem Reisebüro sehr zufrieden. Die Flüge waren alle über STA Travel, die diese auch im Internet zum gleichen Preis anbieten (der Internetpreis ist 3 EUR billiger, was jedoch ungefähr durch das Ausstellen eines echten Papiertickets wieder an Gebühren anfällt).


Frage: Ich habe gesehen, dass es von verschiedenen Anbietern Hin- und Rückflugticktes gibt, die im Zeitraum von einem Jahr eingelöst werden können. Ich plane allerdings, länger als ein Jahr in Japan zu bleiben. Gibt es auch Hin- und Rückflugticktes für einen Zeitraum über 12 Monaten?

Antwort: Da ich während meines Aufenthalts in Japan einmal nach Deutschland zurückgeflogen bin, habe ich selbst zwei der Jahrestickets benutzt. Mir wurde aber gesagt, dass momentan (04/2006) Hin- und Rückflugticktes nur für einen Zeitraum bis ein Jahr angeboten werden. Wer also plant, länger als 12 Monate in Japan zu bleiben muss sich mit zwei Oneway-Tickets behelfen.

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9. Visumsverlängerung
Frage: Ich möchte gerne länger als ein Jahr in Japan bleiben, aber mein Studentenvisum gilt nur für 12 Monate. Kann ich es verlängern und falls ja, wie?

Antwort: Soweit ich informiert bin, sind Verlängerungen der Visa für Deutsche bis zu drei Monate ohne Probleme möglich. Ich hatte seinerzeit mein Visum für ein Praktikum verlängert. Dazu hat mir die Praktikumsstelle eine Bescheinigung ausgestellt, die ich zusammen mit dem Antrag auf Verlängerung des Visums auf der Ausländerbehörde in Shinagawa (Stadtteil Tokios) abgeben musste. Nach einer Bearbeitungszeit von zwei bis drei Wochen konnte ich die Verlängerung abholen. Auch wenn sich das alles sehr einfach anhören mag, kann ich mich noch gut an das Hin- und Her auf der Behörde erinnern, weil sich keiner für meinen Verlängerungsantrag zuständig fühlte. Weitere Informationen zur Visumsverlängerung sind bei der japanischen Botschaft in Deutschland zu erfragen (siehe "Linkbar").

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10. Nebenjobs
Frage: Neben dem Studium würde ich gerne ein paar Stunden in der Woche jobben. Kann man als Ausländer mit wenig Japanischkenntnissen einfach einen Nebenjob finden? Und wenn ja, kann ich mit einem Studentenvisum arbeiten?

Antwort: Vor meiner Abreise, hatte ich mich auch über die Nebenjobmöglichkeiten informiert und mir wurde gesagt, dass man als Ausländer relativ gut bezahlt Sprachunterricht geben kann. Allerdings musste ich vor Ort feststellen, dass Sprachunterricht in Deutsch nicht wirklich nachgefragt wird und bei Stellen für Sprachunterricht in Englisch sieht man sich mit einer enormen Konkurrenz an Muttersprachlern konfrontiert. Im Internet gibt es außerdem die Möglichkeit, sich auf einer Seite für "Lehrersuchende" kostenlos registrieren zu lassen. Die potentiellen Kunden können dann den Katalog durchsuchen und sich gegen ein Entgelt die Kontaktdaten der Lehrer geben lassen. Die Formularfelder zum Ausfüllen für die Lehrer  lassen jedoch darauf schließen, dass die Lehrersuchenden nicht ernsthaft an Sprachunterricht, sondern eher an Zeitvertreib und Kontaktsuche interessiert sind (es wird u.a. nach Aussehen, Hobbys und vielen weiteren unrelevanten Dingen). Daher sieht die Joblage für Studenten mit begrenzten Japanischkenntnissen nicht so gut aus, dennoch denke ich, dass man in Tokio einen ernsthaft sprachinteressierten Schüler, dem man regelmäßig Unterricht gibt, mit dem entsprechenden Zeitaufwand finden kann.

Um auf den zweiten Teil der Frage zu kommen: Wer an einem Nebenjob interessiert ist, muss auf die Ausländerbehörde und sein Studentenvisum um eine Arbeitserlaubnis für "geringfügige Tätigkeiten" (d.h. nur eine begrenzte Anzahl an Stunden pro Woche) erweitern lassen. Danach ist die Arbeit dann auch legal.

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11. Beurlaubung
Frage: Da ich davon ausgehe, an der Universität in Japan nicht so viele Scheine zu machen, würde ich mich gerne für zwei Semester beurlauben lassen. Ist das möglich?

Antwort: Ich habe mich damals für zwei Semester beurlauben lassen, so dass mir der Aufenthalt in Japan nicht als Fachsemester angerechnet wurde. Mit der Beurlaubung sind allerdings verschiedene Auflagen verbunden, z.B. darf man nur eine begrenzte Anzahl an Semestern "Urlaub machen" und auch die Anzahl der Scheine, die man innerhalb eines Urlaubssemesters erwerben kann, ist begrenzt. Daher empfehle ich ein Beratungsgespräch mit der Studentenkanzelei in Bayreuth (siehe "Linkbar").

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Linkbar

2.

Auslandsbafög
Bafoeg.bmbf.de

Bafög-Rechner
Bafoeg-rechner.de

3.

Auslandsamt @
Uni-Bayreuth
Uni-Bayreuth.de

4.

Japanisches-Deutsch
Wörterbuch
Wadoku.de

Vorlesungs- verzeichnis @ Gakushuin
Gakushuin.ac.jp

Kanji Reader
Popjisyo.com

Übersetzungsbüro
Koyama.de

6.

Wohnheim Wakeijuku
Wakei.org

Azalea House und
Foyer Musset
Toshima.ne.jp

Sakura House
Zimmervermittlung Sakura-house.com

7.

ISIS Reiseversicherung
ISIC.de

Würzburger
auslands
versicherung.de

8.

Check-in Reisebüro
Check-in.de

STA Travel
STAtravel.de

9.

Japanische Botschaft
Botschaft-Japan.de

11.

Studentenkanzelei
Uni-Bayreuth.de

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>> Freizeit


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Mailt mir einfach.

Tim Tiefenbach

Update 13.09.2006

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