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A. Kanjilerntechniken
Eine der größten Herausforderungen während des Studiums der japanischen Sprache bildet das Erlernen der über 2000 Schriftzeichen (Kanji). Es gibt eine Reihe von Lerntechniken um diese Masse an Zeichen zu bewältigen - angefangen beim bloßen Auswendiglernen bis hin zum mnemonischen Erinnerungstechniken. Vor allem letztere Methode ist seit den Büchern von James W. Heisig "Remembering the Kanji" (I+II) in den letzten Jahren sehr populär geworden. Im Folgenden will ich kurz ein paar Informationen zu der Lernmethode von Heisig geben und diese anschließend im Hintergrund zu meinen eigenen Erfahrungen kritisch bewerten.

Heisigs Methode ist so aufgebaut, dass man sich mit dem ersten Buch "Remembering the Kanji I" die Bedeutung von 2042 Kanji (inkl. der 1945 meist verwendeten) mittels eines Schlüsselwortes einprägt und ausschließlich ihre Schreibweise erlernt. Der Trick dabei ist, dass aus den einzelnen Komponenten des Kanji eine Geschichte konstruiert wird mit Hilfe derer sich die Bedeutung als auch die Schreibweise einfacher erinnern lässt als durch herkömmliches (unkreatives) Auswendiglernen. Nachdem man die Bedeutung und Schreibweise der 2042 Kanji kennt, benutzt man das zweite Buch "Remembering the Kanji II", um deren Lesungen zu lernen. Auch hier findet man reichlich Eselsbrücken, wie man von der englischen auf die japanische Aussprache schließen kann (die deutsche Übersetzung hatte ich noch nicht vorliegen).

Wer im Internet nach Heisigs Methode sucht, findet seitenweise beglückte Japanischlernende - und das natürlich nicht ohne Grund. Schließlich bietet Heisig eine effektive Alternative zum Auswendiglernen, was nicht heißt, dass Heisigs Methode den Weg zum Erfolg garantiert. Die Nachteile der Methode lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Die Methode ist motivationshemmend, da a) schon zu Anfang Kanji gelernt werden, die sehr selten gebraucht werden und b) keine aktiven Erfolgserlebnisse als Belohnung für das Lernen erfolgen. So ist einem nach dem Durcharbeiten des ersten Buches zwar die Bedeutung der Zeichen und ihre Schreiweise klar, lesen oder im Wörterbuch ein geschriebenes Wort nachschlagen kann man dadurch trotzdem nicht.

2. Die Methode ist nur bedingt effektiv, da man sich zwar mit einer hohen Wahrscheinlichkeit anhand der erinnerten Geschichte, die Schreibweise eines Kanji rekonstruieren kann, das Erinnern an die Geschichte allerdings auch nicht immer leicht ist. So sehe ich nur einen Vorteil darin Kanjis schreiben zu können, wenn ich sie einigermaßen fließend schreiben kann. Aber wenn das Erinnern an die Geschichte zur Rekonstruktion der Schreibweise schon so lange dauert, dass ich es auch mit einem elektronischen Wörterbuch in der Zeit schaffe, dann sehe ich darin keinen besonderen Vorteil. Wer in das Buch von Heisig mal reingeschaut hat, kann feststellen, dass einige der "Geschichten" nicht so zugänglich sind, um sich für immer in den Gehirnwindungen festzusetzen.

3. Die Methode ist nicht exakt - so werden die Kanjis, von denen die meisten mehrere Bedeutungen besitzen, zum leichteren Erinnern mit nur einem Schlüsselwort verbunden. Die zusätzlichen Bedeutungen können beim Lernen von zusammengesetzten Kanjiausdrücken hilfreich sein, wodurch sich die Frage stellt, ob ein späteres Erlernen der zusätzlichen Bedeutungen der Kanji sinnvoll ist.

Soviel zu meinen Kritikpunkten, die sich auch immer wieder in Rezension im Internet finden lassen. Ich will die Bücher von dem Herrn Heisig hier in keiner Weise schlecht reden, bei vielen Japanischlernenden haben sie sich schließlich erfolgreich bewährt und auch den Ansatz - die mnemonische Erinnerungstechnik - finde ich gut.

Ich stand selbst lange vor der Entscheidung mir die Bücher zu kaufen, weshalb ich mich gründlich mit der Thematik auseinandergesetzt habe. Letztendlich habe ich mich jedoch dagegen entschieden. Ich war damals vor Ort in Japan und wollte keine Zeit damit verbringen, Bedeutungen und Schreibweisen der Zeichen zu lernen ohne davon in absehbarer Zeit profitieren zu können. Daher habe ich angefangen die Kanji einer Liste der 500 meist verwendeten Zeichen in der Asahishinbun (einer japanischen Zeitung) in Wolfgang Hadamitzkys "Handbuch und Lexikon der japanischen Schrift, Kanji und Kana, Bd.1" nachzuschlagen und auswendig zu lernen. Auf den ersten Seiten findet sich auch eine Erläuterung der Radikale (Einzelteile) die in den Zeichen vorkommen. Diese habe ich mir bei jedem Kanji angeschaut und überlegt, ob sich daraus eine Geschichte basteln lässt. Zeichen bei denen dies möglich war, habe ich mir mit Hilfe der Geschichte gemerkt, andere Zeichen wiederum habe ich einfach auswendiggelernt. Neben der Schreibweise habe ich ebenfalls die Lesung und Bedeutungen der Kanji mitgelernt, so dass ich die neugelernten Zeichen am Folgetag gleich auf den öffentlichen Werbeplakaten wiederfinden konnte. Auch für die Lesung habe ich mir eine Reihe von Eselsbrücken einfallen lassen. Ein paar kleine Beispiel dazu will ich demnächst zum Download bereitstellen.

Der große Vorteil dieser Methode bestand für mich in der hohen Motivation, weiter zu lernen, da man mit jedem Tag mehr lesen und verstehen konnte. Nach drei Monaten war ich mit der Liste fertig und obwohl es sich nur um ein Viertel der 1945 meistverwendeten Zeichen handelte, war das Erfolgserlebnis wesentlich größer. Das ist darauf zurückzuführen, dass innerhalb der der 1945 gebräuchlichsten Zeichen die 500 am meistverwendeten proportional öfter verwendet werden wodurch sich ca. 70% eines alltäglichen Textes erschließen lassen. Weiterhin sehe ich es von Vorteil, sich seine eigenen Gedanken zu den Zeichen zu machen. Für mich ist eine selbstausgedachte Geschichte viel einfacher zu merken, als eine vorgegebene. Nach den 500 Zeichen hatte ich mein Lernsystem schließlich soweit entwickelt, dass die nächsten 500 sich wesentlich einfacher lernen ließen. Teilweise gruppierte ich ähnlich aussehende Kanji und merkte mir Besonderheiten, um diese unterscheiden zu können. Bei der Reihenfolge habe ich mich nach den ersten 500 Kanji an das Buch von Hadamitzky gehalten, da auch hier die Kanji (teilweise) logisch gruppiert sind, d.h. ähnlich klingende und ähnlich aussehende Kanji finden sich oft an den gleichen Stellen.

Das waren soweit meine Erfahrungen mit dem Kanjilernen. Es ist ganz wichtig, dass man herausfindet, welche Methode am besten zum eigenen Lernstil passt. In der "Downloadbar" habe ich daher neben den Links zu den erwähnten Büchern ebenfalls noch eine Leseprobe von Heisigs Buch verlinkt. Die Liste mit den 500 meistverwendeten Kanjizeichen werde ich bald möglich abtippten und ebenfalls online stellen.

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B. Hörverständnis
Eine weitere Herausforderung der japanischen Sprache ist der Erwerb des Hörverständnises. Um dieses zu verbessern sollte man - eigentlich überflüßig zu erwähnen - möglichst oft Japanisch hören, was in Japan natürlich wesentlich einfacher ist als in Deutschland. Hierzulande kann man sein Hörverständnis allerdings auch mit unterschiedlichen Methoden trainieren. Es folgen ein paar Vorschläge:

Voice of Japan
Dies ist ein Computerprogramm, in das man einen japanischen Text (Hiragana, Katakana, Kanji) eingeben oder reinkopieren kann und diesen dann von einer weiblichen Computerstimme vorgelesen bekommt. Z.B. kann man von der Internetseite einer japanischen Zeitung einen Artikel kopieren und ihn in das Programm einfügen. Da man den Artikel noch nicht gelesen hat, kann man feststellen, wieviel Prozent des Inhaltes man versteht. Anschließend kann man sich den Artikel durchlesen und zum Abschluss noch einmal anhören. Die Stimme klingt für eine Computerstimme ausgesprochen gut, kann aber trotzdem eindeutig von einer menschlichen Stimme unterschieden werden. Das Programm ist einfach zu bedienen und die Schnelligkeit der Computerstimme kann in neun Stufen variert werden, wobei Stufe 4 (normal) am realistischsten klingt. Wer das Programm testen möchte, findet in der "Linkbar" den Verweis auf die Homepage des Anbieters.

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NHK Radio News
Wer lieber reale Sprecher bevorzugt, der findet auf der Homepage des japansichen Radio Senders NHK genug Material zum üben, allerdings auf gehobenem Niveau, da es sich um Nachrichten handelt. Hier lassen sich immer die aktuellen Nachrichtensendungen des Tages im "Windows Media Player"-Stream abrufen. Wer einen MP3-Stick besitzt, sollte mit der richtigen Software die News aufnehmen können, so dass die News unabhängig vom Internetanschluss angehört werden können, z.B. auf dem Weg zur Arbeit. Das große Manko ist hierbei allerdings, dass nicht verstandene Vokabeln und Ausdrücke entweder mehrere Male angehört werden müssen bevor man sie versteht oder dass man über diese hinweg hört, wobei hier der Lerneffekt abnimmt. Natürlich ist die Methode sehr gut geeignet, um sein Hörverständnis von bereits gelernten Vokabeln zu verbessern. Ein Skript, d.h. der genaue Nachrichtentext, lässt sich leider nicht einsehen (als Antwort auf eine E-Mail-Anfrage von mir habe ich erfahren, dass dies wohl auch nicht geplant sei). Wer allerdings trotzdem noch mal nachlesen will findet natürlich auf den einschlägigen Nachrichtenseiten die gleichen Artikel (Tagesgeschehnisse), die in der Nachrichtensprache auch meist mit ähnlichem Vokabular erklärt werden. Zudem lassen sich auch hier drei verschiedene Schnelligkeitsstufen wählen, wobei es sich bei der Stufe "normal" um die reale Aufzeichnung handelt und die anderen beiden Stufen "schnell" und "langsam" jeweils schneller und langsamer gedreht wurden, was sich nicht so schön anhört und in Richtung der Computerstimme geht. Der Link zur Seite ist ebenfalls in der "Linkbar" zu finden, man benötigt nur den Windows Media Player 9 oder höher.

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Aktives Hören
Ich bin der Meinung, dass man durch rein passives Hören wesentlich besser aktives Sprechen lernen kann als man denkt. Wichtig ist nur bei jedem Gespräch "aktiv zuzuhören". D.h. ich versuche mich bei allem was mein Gegenüber sagt stets zu fragen, "könnte ich das auch auf Japanisch sagen?" und wenn ja "würde ich es auch auf diese Art und Weise sagen?". Falls dem nicht so ist, versuche ich mir die von meinem Gegenüber verwendete Ausdrucksform oder die Satzstellung zu merken. Zugegeben: Das ist nicht immer leicht und meist ertappe ich mich beim Gespräch dabei wie ich abschalte und gerade froh bin, wenn ich den Sinn des Gesagten verstehe. Dennoch denke ich, dass diese Methode für das aktive Sprechen sehr förderlich sein kann. Auch die Verwendung eines aufnahmefähigen MP3-Sticks scheint sinnvoll, wenn man - wie ich - nicht so viel Vertrauen in sein Gedächtnisvermögen hat. So kann man die neu gelernte Redewendung gleich auf den MP3-Stick sprechen und immer wieder anhören.

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Linkbar

Wikipedia (en) / Remembering the Kanji I
Wikipedia.org

Remembering the Kanji I
Amazon.de

Leseprobe (.pdf) der ersten 200 Zeichen
nanzan-u.ac.jp

Remembering the Kanji II
Amazon.de

Die Einleitung als .pdf
nanzan-u.ac.jp

Die deutsche Übersetzung "Die Kanji lernen und behalten"
Amazon.de

Wolfgang Hadamitzky "Kanji und Kana"
Amazon.de

Voice of Japan 2.0
Kanji.de

NHK Radio News
NHK.or.jp

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Tim Tiefenbach

Update 03.09.2006

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